Kinder- und Jugenddorf Klinge | Pressemitteilung: 2 Kinderdorfhäuser sind fertig
Jugendhilfeeinrichtung in Seckach (Neckar-Odenwald-Kreis) mit 146 Plätzen in 18 Hausgemeinschaften und Familiengruppen sowie 21 Plätzen in drei Wohngruppen für Jugendliche in Mosbach und Heidelberg.
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Pressemitteilung: 2 Kinderdorfhäuser sind fertig

Pressemitteilung: 2 Kinderdorfhäuser sind fertig

Pressemitteilung – Zwei neue Kinderdorfhäuser für drei Hausgemeinschaften im Kinder- und Jugenddorf Klinge sind nach rund 32 Monaten Bauzeit fertig

Das Kinder- und Jugenddorf Klinge ist eines der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Rund 200 Kinder im Alter zwischen 3 und 18 Jahren werden hier in 17 Hausgemeinschaften, 3 Jugendwohngruppen, 2 Erziehungsstellen, der St. Bernhard-Schule und dem Schulkindergarten betreut: Pro Hausgemeinschaft leben 8 Kinder unterschiedlichen Alters in familienähnlicher Struktur unter einem Dach. Drei Hausgemeinschaften können ab Mai in ein neues Zuhause einziehen. Die Segnung der Neubauten erfolgte am 16. April durch Weihbischof Dr. Peter Birkhofer.

Das erste Kinderdorfhaus wurde in der Klinge bereits 1948 gebaut. 70 Jahre danach erfolgte der Spatenstich für die Neubaumaßnahmen im Sommer 2018. Die Vereinsgründung des Kinder- und Jugenddorf Klinge e. V. jährt sich dieses Jahr bereits zum 70. Mal, so dass ein Teil der Kinderdorfhäuser sogar älter ist als der Verein selbst. Im Jahr 2011, also 60 Jahre nach Vereinsgründung, begannen die Planungen für die Neubauten, die weitere 10 Jahre später, nach rund 32 Monaten Bauzeit fertiggestellt werden konnten.

Mit diesen neuen Bauten endet für das Kinderdorf ein erster großer Bauabschnitt, dem weitere folgen müssen. „Die Klinge wurde 1951 zum Kinderdorf. Sie hatte damals wie heute das Ziel, neue Heimstätte für Kinder zu werden und ihnen Nestwärme zu ermöglichen. Die damaligen Bauten mussten schnell und kostengünstig erstellt werden. Dies merken wir heute an vielen Stellen“, so der Vorstand. Weiter berichtet er, dass die Gesamtgröße der Bestandsbauten, die Größe der Kinderzimmer, die Anzahl der Sanitärräume, sowie die Größe und Anzahl der so genannten Gruppendifferenzierungsflächen nicht den aktuellen Normen entspricht. Weiterhin, so Dr. Klotz, entsprechen die Bestandsbauten lange nicht den energetischen Vorgaben, die heute an eine Immobilie gestellt werden.

„Hätte man all die aktuellen Vorgaben versucht in den Bestandsgebäuden umzusetzen, wäre dies teurer gekommen, als der Neubau“, so der Vorstand. „Und dabei blieben noch“, so berichtet Dr. Klotz weiter, „die besonderen Vorgaben an einen Sonderbau weitestgehend unberücksichtigt. Wir hätten Wände versetzen müssen, um Fluchtwegbreiten zu korrigieren, hätten Decken nach oben verlegen müssen, um Platz zur Umsetzung von Akustik-Maßnahmen zu gewinnen, die aus der Arbeitssicherheit kommen, und hätten die Gebäude wie einen Käse durchhöhlen müssen, um aktuelle Brandmeldeanlagen sowie EDV-Infrastruktur nachzurüsten.“ „Bedingt durch die besonderen Auflagen an Sonderbauten, was Kinderdorfhäuser heute sind, können die Kosten der Baumaßnahmen nicht mit denen von Einfamilienhäusern verglichen werden“, so der Vorstand weiter. „Die Finanzierung ist für uns ein Kraftakt“, so Dr. Klotz. „Insgesamt investierten wir rund 6,6 Millionen Euro für die Erschließung des Grundstücks, den Bau von drei Hausgemeinschaften mit drei Hausleiterwohnungen und einem innovativen Heizsystem, mit dem neben den Neubauten auch noch die Schule beheizt werden kann. Alleine in Haus Hildegard werden ab Mitte Mai 14 Menschen leben. Die Kinder der Hausgemeinschaft und die Familie der Hausleitung. Insgesamt haben wir Wohnraum im Umfang von rund 10 Einfamilienhäusern geschaffen. Es sind über 1.850 Quadratmeter“ berichtet der Vorstand.

Gerade zur Coronazeit hat es sich auch gezeigt, dass heutzutage eine moderne Infrastruktur in einem Kinderdorfhaus unumgänglich ist. So musste der Tatsache Rechnung getragen werden, dass im Rahmen des Homeschoolings bis zu 8 Kinder gleichzeitig an einem PC-Arbeitsplatz arbeiten wollten. In einer Immobilie aus den 50ern ist natürlich nicht daran gedacht worden, dass solche Bedarfe so viele Jahrzehnte später erfüllt werden müssen. Die Nachrüstung all der notwendigen Bedingungen in die Bestandsgebäude wäre eine Mischung aus technischer Unmöglichkeit und wirtschaftlichem Totalschaden gewesen. Also entschied man sich bereits vor rund 10 Jahren nach einer aufwändigen Analyse der Bestandsgebäude, zwei Neubauten für drei Wohngruppen zu bauen. „Die Häuser, die in den späten 1940er und 50er Jahren erbaut wurden, wurden zwar immer weiterentwickelt und Instand gehalten, aber das, was der Gesetzgeber von einem heutigen Kinderdorf verlangt ist, einfach bei vielen der Bestandsgebäude nicht umsetzbar“, so der Vorstand des Kinderdorfs Dr. Christoph Klotz.

Die Einweihung der fertiggestellten Häuser fand am Freitag, den 16. April, statt. Das eigentlich geplante große Einweihungsfest musste leider wegen der hohen Inzidenzzahlen in unserem Kreis abgesagt werden. Da die Kinder jedoch auf den Einzug in ihr neues Zuhause warten, entschied Vorstand Dr. Klotz, die Einweihung nicht zu verschieben, sondern sie in kleinstem Rahmen und Corona konform sowie virtuell durchzuführen. „Durch Corona waren die letzten Monate für die Kinder hart genug. Wir wollten ihnen die Freude auf den Einzug nicht nehmen“, so der Vorstand. Außer Weihbischof Dr. Peter Birkhofer, der aus Freiburg anreiste, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Trägervereins, Alexander Gerstlauer, Vorstand Dr. Christoph Klotz und Jana Brauß, die Koordinatorin der Einweihung, gab es keine weiteren Gäste. Ziel dieser „Veranstaltung“ war die Segnung der drei Gebäudeteile durch Weihbischof Dr. Birkhofer, damit die Kinder in ein gesegnetes neues Zuhause einziehen können. Die weiteren Teile der Einweihung fanden individuell statt, wurden aufgezeichnet und können nach finaler Bearbeitung ab 28. April – wie auch das Video der Segnung – über die Homepage des Kinderdorfs angesehen werden. So – neben den Grußworten des Landrats Dr. Achim Brötel, den Grußworten des Bürgermeisters von Seckach, Thomas Ludwig und von Vorstand Dr. Klotz – auch einige weitere Videos. Zu sehen sind Interviews bzw. Grußworte des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Herrn Ekkehard Brand, der das Projekt von Anfang an begleitete, der Architektin des Baus, Dea Ecker, und weitere Videos der Hausgemeinschaften bzw. der St. Bernhardschule. Besonderes Highlight ist eine digitale Führung durch die Neubauten. Sebastian Stock von Stock & Stock Immobilien in Mosbach erstellte für das Kinderdorf als Eröffnungsgeschenk ein virtuelles 3D-Modell, über das ein virtueller Rundgang in der Immobilie möglich ist. Der Rundgang kann ebenfalls über die Homepage des Kinderdorfs gestartet werden.

Die neue Gebäudegruppe besteht aus dem Langhaus mit Platz für eine Wohngruppe und aus dem benachbarten U-Haus, das Platz für zwei weitere Hausgemeinschaften bietet. Im Kinderdorf ist es seit Bestehen Tradition, dass jedes Haus einen Namen erhält. Die Patrone wurden dabei so gewählt, dass sie einen Bezug zum Gebäude oder zum Wirken des Kinderdorfs haben. So hat zum Beispiel die Schreinerei der Klinge den heiligen Josef zum Patron. Bis zum heutigen Tag feiern die Hausgemeinschaften im Rahmen von sogenannten Haus- bzw. Patronsfesten ihren Hauspatron und bearbeiten gemeinsam mit den Kindern das, wofür der Patron steht.

Die Auswahl der Namen erfolgte in einer Gemeinschaftsaktion des ganzen Dorfes. „Jedes Kinderdorfhaus, jeder Mitarbeiter und jede Schulklasse waren aufgerufen worden, gemeinsam mit den Kindern Vorschläge für Patrone zu sammeln und ihre Auswahl zu begründen“, so Vorstand Dr. Klotz. So sollte erreicht werden, dass eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kinderdorfs, der Aufgabe des Kinderdorfs und dessen, wofür der Patron steht, erfolgte.

Die Namen der drei Hausgemeinschaften lauten: Antonius von Padua, Hildegard von Bingen undMartha von Bethanien.

Der heilige Antonius gilt als Schutzheiliger der Frauen, Kinder und Sozialarbeiter. Aber auch der Armen, der Liebenden, der Ehe und der Frauen. Die heilige Hildegard ist vor allem für ihre natur- und heilkundlichen Schriften bekannt. So gilt sie heute auch als die Patronin der Sprachforscher und Naturwissenschaftler. „Mögen unter dem Dach von Haus Hildegard viele gesunde Wissenschaftler heranwachsen, die mit Neugierde und Fleiß die Welt entdecken und verändern“, so der Vorstand. Die heilige Martha gilt als Patronin der Häuslichkeit und damit der Hausfrauen bzw. Hausangestellten. Dieses Bild spiegelt sich wunderbar in der Aufgabe eines Kinderdorfhauses bzw. einer Hausgemeinschaft wieder, so dass dieser Vorschlag für das L-Haus aufgegriffen werden konnte.

Die Gebäudeform der beiden Bauwerke ist ein steiles Walmdach. Laut Architektin Ecker stellt diese Dachform „den Archetyp des Hauses dar, der den Kindern Schutz und Geborgenheit vermitteln soll“. Markant sind die drei Türme, die je zwei Treppenhäuser enthalten. Das eine Treppenhaus dient der Hausgemeinschaft und das zweite der Hausleitung, die in einer abgetrennten Wohnung unter gemeinsamem Dach mit den Kindern lebt. Es handelt sich dabei um den zweiten Rettungsweg der Immobilie. Zudem übernehmen die Türme die Durchlüftung und die Nachtauskühlung der Häuser. Sie haben die Funktion eines thermischen Kamins und können im Brandfall auch zur Entrauchung verwendet werden. Das Kinderdorf hat damit eine nachhaltige Lösung im Sinne einer ökologischen Lüftungsanlage gefunden.

Das Ensemble wird durch einen Spielschuppen mit ausreichend Platz für Gegenstände für 24 junge Menschen ergänzt. „24 Fahrräder, Schlitten, Inlineskates usw., die brauchen Ihren Platz“, so der Vorstand. Die Gebäude sind so zueinander geordnet, dass ein geschützter Spielhof entsteht.

Als Baustoff entschied man sich für Holz. Es handelt sich um reine Holzbauten in Holzrahmenbauweise. „Die innere Raumschale der Außenwände sowie die Geschoßdecken sind mit einer Diagonal-Dübelholzkonstruktion gebaut. Auf abgehängte Decken- und Installationsebenen wurde weitgehend verzichtet. Größere Spannweiten sind mit V-Stützen ausgeführt. So bleibt ablesbar und verständlich, wie das Gebäude gefügt wurde“ berichtet die Architektin. „Natürlich nachwachsende Rohstoffe die auch das Gefühl von Wärme und Heimeligkeit bieten, waren uns bei der Auswahl der Baustoffe wichtig“, so Dr. Klotz. „Unser Kinderdorf existiert, damit Kinder Zukunft haben. Da gehört eine Auswahl möglichst nachhaltiger Baustoffe dazu“.

Die geplante Bauzeit konnte nicht eingehalten werden. Geplant war, die Immobilie im Jahr 2020 zu beziehen. Durch Corona mussten aber auf der Baustelle besondere Maßnahmen ergriffen werden, die zu Verzögerungen führten. Auch kam es gegen Ende der Maßnahmen immer wieder zu Lieferverzögerungen von bestimmten Bauteilen. Dennoch ist der Bauherr mit dem Baufortschritt zufrieden. „Wichtig ist doch“, so der Vorstand, „dass niemand verletzt wurde, dass die Immobilie unseren Anforderungen entspricht und natürlich auch, dass sie im Kostenrahmen blieb“.

Um auch in Zukunft noch Kindern ein Zuhause bieten zu können, stehen in den nächsten Jahren weitere Ersatzbauten an. „Die Baumaßnahmen im Schwimmbadweg zeigten, welche Infrastrukturansprüche heute auf einem Campus herrschen. Wir haben gemerkt, dass wir dringend einen Ort benötigen, an dem die Infrastruktur zusammenläuft. Um diese Zentralität zu schaffen, müssen wir das Verwaltungsgebäude des Kinderdorfs neu denken“ so der Vorstand. In den nächsten Jahren werden also nicht nur weitere Kinderdorfhäuser folgen müssen, damit auch morgen Kinder in Not hier in der Klinge ein neues Zuhause finden können.



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