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Im Album geblättert |
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Die Klinge-Band
in hartem Einsatz an Fasching: der »Pinsel« Jürgen Meißner, Alois
Schmidt, Heinz Müllenborn und sitzend: ??, Josef Vogel, Wolfgang Maaßen, Hans Mulder |
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Liebe Ehemalige, könnt Ihr Euch noch an die "Klinge-Band" erinnern? Vor etwa vierzig Jahren war das, als es im Jugenddorf Klinge noch diese Musikgruppe gab. Ich bin sicher, dass viele von Euch, die in jenen Jahren hier lebten, diese höchst bemerkenswerte Freizeiteinrichtung in guter oder auch denkwürdiger Erinnerung haben. Kurt Winterhalder, von 1960 bis 1969 geschäftsführender Vorstand des Jugenddorf Klinge e.V., startete damals den Versuch, Jugendliche und Erwachsene zum Mitmachen in einer "Musikkapelle", wie man das damals noch zu nennen pflegte, zu motivieren. Er selbst spielte eine Ziehharmonika mit Knöpfen und blies auch auf einer Trompete und suchte weitere Mitstreiter zum gemeinsamen musikalischen Tun. Gilbert Maurer, Dieter Theobald und Manfred Sievert waren die ersten Jungen, die mitspielten. Gefragt waren damals die gewohnten Schlagertitel jener Zeit sowie Standard-Tanzmelodien, wie man sie in der Tanzstunde üblicherweise lernte. Man tanzte ja auch noch richtig paarweise, mit Anfassen, und brachte seine Partnerin, die man vorher artig aufgefordert hatte, sogar wieder an ihren Platz zurück. Erzieher Walter Daumann, der noch vor seiner Flucht
in der damaligen DDR angehende Lehrer im Fach Musik ausgebildet hatte,
war wohl der professionellste von uns allen. Er beherrschte mehrere Instrumente,
darunter Saxophon und Akkordeon und außerdem ein ganz neues Gerät, ein
elektrisches "Klaviocord". Das war ein Vorläufer des heutigen Keyboards,
mit vier abschraubbaren Beinen, und benötigte einen Kofferverstärker von
Quelle, um hörbar zu werden, damals eine völlig neue Sache. Ich selbst
wurde dazu verdonnert, noch Schlagzeug spielen zu lernen, was ich nie
so ganz perfekt geschafft habe, aber niemand hat sich schließlich beschwert.
In jener Zeit begann die Gitarre ihren Siegeszug im Ansehen der Jugendlichen,
hatten doch die Beatles und andere Gruppen jener Zeit bewiesen, dass man
anscheinend auch mit geringer musikalischer Aus- und Vorbildung es zu
etwas bringen konnte. Nun rollte die Beatwelle auch durch die Klinge. Das Interesse an Herrn Winterhalders Klinge-Band und der Musik von Glenn Miller, an IN THE MOOD, an den damals aktuellen Schlagern, an Hawaiklängen, Foxtrott, Tango und Walzer wurde bei uns Jungen eingeschränkt. Yardbirds, Animals, Beatles, Rolling Stones, Kings, das war jetzt unsere Musik. Dennoch ließ Winterhalders Unterstützung bei der Ausübung unserer Musik nicht nach. Im ehemaligen Bauernhaus "St. Wendelin" baute man einen Kellerraum schalldicht zum "Jazzkeller" um. Einige Verstärker und Mikrophone wurden angeschafft, so dass wir, ohne jemanden zu stören, proben konnten. An Silvester, zu Fastnacht, beim Tanz in den Mai, auf auswärtigen Gastspielen gaben wir unser Bestes, und zusammen mit den "Alten" Winterhalder, Daumann und Schmackeit spielten wir auch immer wieder brav die ganz "normale" Tanzmusik. Die Leidenschaft zur Beatmusik ergriff auch noch andere Jugendliche, wodurch sogar zwei Bands entstanden: die "Rolling Beats" mit Peter Döring, Alois Schmidt, dem "Pinsel" und mir, und die "Beat Boys" mit Hans Mulder, Wolfgang Maasen, Josef Vogel und Hans Joachim Schmidt. 1966 spielten beide Bands bei einem Beatfestival im Bernhard-Saal sogar um die Wette..." Die jungen Leute wurden mittlerweile erwachsen und
verließen nach und nach das Dorf. Als auch der Initiator Kurt Winterhalder
sich einer anderen beruflichen Aufgabe zugewandt hatte, blieben nur noch
einige Geräte und der Jazzkeller für eine Weile bestehen. Aber die Zeit
ging auch darüber hinweg. Immer wieder einmal erlebte das inzwischen defekte
Schlagzeug eine kurze Auferstehung und wurde instandgesetzt, verschwand
aber auch immer wieder in der Versenkung, wenn es den unbeaufsichtigten
Mißhandlungen durch junge Burschen zum Opfer gefallen war. Im Rückblick
hat sich damals der Aufwand dennoch sicher gelohnt. Eine ganze Reihe junger
Menschen, die sonst keine Möglichkeiten dazu gefunden hätten, konnten
über Jahre hinweg mit großer Begeisterung gemeinsam musizieren und waren
in der Lage, ihre eigenen musikalischen Bedürfnisse und die der älteren
Generation in gleicher Weise zu erfüllen. Alois spielte später über viele
Jahre, eigentlich noch bis heute, in seiner hier weithin bekannten Band
"German Aircraft", die auch große Veranstaltungen bestritt. "Es war eine
tolle Zeit, an die ich immer wieder gern zurückdenke," meint Heinz Müllenborn
mit ein wenig Wehmut im Blick. Ich selbst habe seit damals nie mehr ein
Schlagzeug traktiert, sondern statt dessen verspätet mein musikalisches
Hobby begonnen: historische Jazz-Aufnahmen zu sammeln. Das war ja die
Musik meiner Generation. Da wir Heranwachsende uns nach dem Krieg so etwas
wie ein Radiogerät, einen Plattenspieler oder gar Schallplatten nicht
leisten konnten, fingen wir die heißen Töne mittels Kristalldetektoren
ohne Strom aus dem Äther ein, mit einem Stück Kupferdraht als Antenne
an den Spiralfedern des Bettrostes, und lauschten in drückend harte Bakelit-Kopfhörer!
Aber das ist lange her... Herzliche Grüße aus der Klinge Herzliche Grüße aus der Klinge P. Schmackeit |
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Das jünste Mitglied der Band
war 1964 der kleine Rolf mit seiner Melodika. |
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Die
Klinge-Band 1964: (v.l.) Dieter Theobald, W. Daumann, Manfred Sievert, P. Schmackeit, K. Winterhalder, ??, Wolfgang Maaßen, Heinz Müllenborn, Harald Sommer. |
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