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Teilnahme an Forschungsprojekt
Kosten-Nutzen-Analyse von Jugendhilfemaßnahmen

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  Foto: Peter Schmackeit  
 

Von Januar 1999 bis Dezember 2001 führte das Kinder- und Jugenddorf Klinge im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes und mit finanzieller Förderung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege ein Praxisforschungsprojekt mit dem Titel "Kosten-Nutzen-Analyse von Jugendhilfemaßnahmen" durch. Projektmitarbeiter war Herr Klaus Roos, Diplom-Psychologe und Diplom-Volkswirt, der seit neun Jahren in der psychologisch-heilpädagogischen Abteilung unserer Einrichtung arbeitet. Mittlerweile liegt der Endbericht des Forschungsprojekts vor, der in einer verkürzten Fassung in einer Broschüre voraussichtlich im Herbst dieses Jahres veröffentlicht wird. Vorab soll an dieser Stelle kurz über Zielsetzung, Vorgehensweise und Ergebnisse des Projekt berichtet werden.

Die aktuelle Situation in der Jugendhilfe ist geprägt von der dauerhaften Finanznot der Kommunen. Angesichts leerer Kassen der öffentlichen Haushalte gerät der Jugendhilfebereich immer stärker unter Kostendruck. Gesellschaftlich wird neben den relativ hohen Kosten der Heimerziehung (im Vergleich zu anderen Jugendhilfeformen und zu anderen stationären Unterbringungsformen im Pflegebereich) auch deren Notwendigkeit und Effektivität in Frage gestellt. Beispiele in der Öffentlichkeit sind hierfür die negative Darstellung von Heimerziehung in den Medien.
Aus dieser Situation ergibt sich für Einrichtungen der Jugendhilfe die Notwendigkeit, die Qualität, die Effektivität und die Effizienz ihrer Leistungen zu belegen und öffentlich darzustellen, um dem gesellschaftlichen Legitimations- und Kostendruck bestehen zu können (Müller, 1996).
Mittlerweile sind im Bereich der Jugendhilfe einige Effektivitätsstudien im Gang beziehungsweise gerade abgeschlossen, die die Qualität und Effektivität der Maßnahmen untersuchen.
Nicht vorhanden sind bisher Studien zur Effizienz der Maßnahmen, die belegen könnten, dass Jugendhilfemaßnahmen gesamtgesellschaftliche und gesamtwirtschaftliche "Zukunftsinvestitionen in Humankapital" darstellen, die sich insgesamt später durch gesenkte Folgekosten und höhere gesellschaftliche Produktivität auszahlen.
Effektivitätsstudien sind notwendig, um belegen zu können, dass eine Einrichtung oder eine bestimmte Jugendhilfemaßnahme die gesetzlichen Ziele und aufgetragene Aufgaben in einer angemessenen Qualität erfüllt. Sie können jedoch nicht darstellen, ob eine Einrichtung oder bestimmte Maßnahmen diese Aufgaben und Ziele in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen erfüllt. Sie geben daher keine Antworten auf den bestehenden Kostendruck.
Nur wenn es einer Einrichtung oder einer Jugendhilfeform gelingt darzustellen, dass sie sowohl effektiv (und damit mit einer entsprechenden Qualität), als auch effizient (d.h. in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen) arbeitet, wird sie langfristig bestehen können.
Genau diesen Nachweis der Effizienz von Jugendhilfemaßnahmen voran zu bringen, war das Ziel des Forschungsprojekts, indem zunächst ein allgemeines Modell entwickelt und die Anwendung beispielhaft am Bereich Heimerziehung dargestellt wurde.
Durch die Entwicklung eines allgemeinen, einfachen Modells einer Kosten-Nutzen-Analyse für Jugendhilfemaßnahmen lässt sich das angewendete Verfahren auf andere Einrichtungen und Jugendhilfemaßnahmen übertragen.
Das Analysemodell beschränkt sich auf die Untersuchung der volkswirtschaftlichen Effekte von Jugendhilfe im Rahmen dreier Zielbereiche.
Der erste Zielbereich lässt sich mit den Begriffen Bildung, Berufsausbildung, Arbeitsfähigkeit und -leistung, Produktivität, Arbeitslosigkeit und soziale Sicherung beschreiben.
Der zweite Zielbereich betrifft den Bereich aggressiven Verhaltens, Delinquenz und Kriminalität bzw. Legalverhalten.
Der dritte Zielbereich kann durch das Wort gesundheitsbezogenes Verhalten beschrieben werden (Sucht, psychische und physische Erkrankungen bzw. Gesundheitszustände).
In allen drei beschriebenen Zielbereichen ergeben sich je nach Effekten der Jugendhilfe volkswirtschaftliche Kosten bzw. Nutzen. Anhand empirischer Hinweise wurden für den Bereich der Heimerziehung exemplarisch volkswirtschaftliche Auswirkungen von Jugendhilfemaßnahmen auf der Grundlage des Humankapitalansatzes und Erkenntnissen der Entwicklungspsychopathologie in den Bereichen Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit, gesundheitsbezogenes Verhalten und Delinquenz geschätzt.
Dabei ergeben sich bei durchschnittlichen Aufwendungen von 120.317 € einer Heimerziehungsmaßnahme volkswirtschaftliche Nutzeneffekte bei Männern in Höhe von 24.040 € im Bereich Gesundheit, 30.698 € im Bereich Arbeitslosigkeit, 12.280 € im Bereich Delinquenz sowie von 288.119 € im Bereich Erwerbstätigkeit. Entsprechend ergeben sich bei Frauen Nutzeneffekte von 26.950 € im Bereich Gesundheit, von 250 € im Bereich Arbeitslosigkeit, 14.124 € im Bereich Delinquenz sowie von 320.324 € im Bereich Erwerbstätigkeit. Insgesamt ergeben sich Nutzen-Kosten-Differenzen von +234.820 € bei Männern und +241.331 € bei Frauen für Heimerziehung.
Als weitere Maßzahl wird die Nutzen-Kosten-Relation ermittelt. Bei Männern ergibt sich eine Nutzen-Kosten-Relation von +1,953, was bedeutet, dass ein in Heimerziehung eingesetzter EURO sich im weiteren Lebensverlauf gesamtwirtschaftlich mit 2,95 € auszahlt. Entsprechend ergibt sich bei Frauen eine Nutzen-Kosten-Relation von +2,005.

Klaus Roos

 
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